6 Gestaltungsregeln fürs Produktdesign

6 Gestaltungsregeln fürs Produktdesign

Natürlich sind die inneren Werte wichtig und zählen letztlich oft weit mehr als die Optik. Doch wer jemanden kennenlernt oder trifft, entscheidet zunächst nach dem äußeren Erscheinungsbild. Der berühmte erste Eindruck wird vom Äußeren bestimmt, was ganz einfach daran liegt, dass sich die inneren Werte erst später zeigen.

6 Gestaltungsregeln fürs Produktdesign

Was für Begegnungen gilt, ist auch bei Produkten nicht anders. Die Qualität, die Funktionen oder die Inhaltsstoffe sind natürlich wichtig. Doch ein Kunde nimmt zunächst das Design des Produktes wahr.

Und ein Produkt, das kein ansprechendes Design hat, verkauft sich entweder gar nicht oder nur schlecht. Wie erfolgreich ein Produkt ist und wie sehr es zum unternehmerischen Erfolg beiträgt, hängt also zu einem großen Teil vom Produktdesign ab.

Damit stellt sich aber die Frage, was ein gutes und ansprechendes Produktdesign ausmacht. Eine pauschale Antwort ist an diesem Punkt kaum möglich. Denn natürlich kommt es immer auf das Produkt und das Unternehmen an. Doch ein Ansatz, der hilfreiche Ideen liefern kann, ist die Gestaltpsychologie.

Was es mit der Gestaltpsychologie auf sich hat

In den 1920er-Jahren entwickelte sich die Gestaltpsychologie als eigenständige Theorie. Ihr Gegenstand ist die menschliche Wahrnehmung. Die Theorie untersucht die kognitiven Mechanismen, die der Mensch nutzt, um Dinge wahrzunehmen und zu interpretieren.

Als Begründer der Gestaltpsychologie gelten die drei Studenten Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Koffka. Später widmeten sich noch weitere namhafte Vertreter dieser Bewegung, darunter Kurt Lewin, Wolfgang Metzger, Felix Krueger oder Friedrich Sander.

Die Gestaltpsychologen nutzten ihre wissenschaftlichen Forschungserkenntnisse zur Wahrnehmung, um auf dieser Basis mehrere Gestaltgesetze zur formulieren. Der entscheidende Grundgedanke dabei ist, dass das Ganze nicht gleichbedeutend ist mit der Summe seiner Einzelteile.

Die menschliche Wahrnehmung ist zwar eine Einheit. Doch um zu verstehen, warum ein Anblick die Wahrnehmung, das Erleben und das Handeln in welcher Form beeinflusst, müssen die Elemente betrachtet werden, die die Einheit bilden.

Kommt ein Besucher zum Beispiel auf die Webseite eines Unternehmens, versteht er die Internetseite zunächst als Ganzes. Erst danach erfasst er die einzelnen Elemente wie das Logo, die Navigation oder die Inhalte dieser Seite.

Ein anderes Beispiel sind moderne Gemälde im abstrakt-minimalistischen Stil. Im ersten Moment wirken solche Gemälde mitunter sehr simpel und bisweilen einförmig. Doch je länger sich der Betrachter mit einem Gemälde auseinandersetzt, desto mehr erkennt er auf dem Bild.

6 Gestaltungsregeln fürs Produktdesign

Ein Unternehmen kann die Erkenntnisse der Gestaltpsychologie nutzen, um die Wahrnehmung potenzieller Kunden gezielt zu beeinflussen, beispielsweise in Richtung Kauf.

Dabei ist das Grundprinzip denkbar einfach: Wenn einzelne Elemente in einem Verhältnis zueinander stehen, erkennt sie der Betrachter als zusammenhängende Einheit. Die Gestaltgesetze bauen auf diesem Grundprinzip auf.

Gestaltungsregeln

Mit Blick auf das Produktdesign spielen dann die folgenden sechs Gestaltungsregeln die größte Rolle:

  1. Prägnanz

Einzelne Elemente werden nie isoliert wahrgenommen. Stattdessen heben sie sich immer von ihrem Umfeld ab und treten dabei entweder in den Vordergrund oder in den Hintergrund.

Der Betrachter kann auf diese Weise das, was er sieht, schneller erfassen und sich besser orientieren. Gleichzeitig kann er einfacher zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden.

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Dabei wählt der Betrachter aus der riesigen Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten intuitiv das Element aus, das er am besten und schnellsten einordnen kann. Der Betrachter sucht als nicht nach einem versteckten Details, sondern richtet seine Aufmerksamkeit zunächst auf das, was ihm zuerst ins Auge sticht.

  1. Nähe

Elemente, die nah nebeneinander angeordnet sind, nimmt der Betrachter als zusammengehörig wahr. Andersherum bilden Informationen, die einen größeren Abstand zueinander haben, für ihn zunächst keine Einheit.

Angaben, die miteinander verknüpft sind und für das Verständnis oder die Aussagekraft relevant sind, sollten deshalb möglichst nah beieinander stehen.

  1. Ähnlichkeit

Als Einheit nimmt der Betrachter auch Elemente wahr, die sich ähneln. Dabei kann sich die Ähnlichkeit zum Beispiel durch die Form, die Größe, die Farbe, die Position oder die Beschaffenheit ergeben.

Je mehr Gemeinsamkeiten unterschiedliche Elemente aufweisen, desto stärker versteht sie der Betrachter als ein Ganzes.

  1. Einfachheit

Einfache Darstellungen, übersichtliche Anordnungen und klare Aussagen sprechen den Betrachter eher an als komplexe Strukturen. Der Betrachter möchte das, was er sieht, möglichst schnell erfassen und verstehen.

Ein kreatives Produktdesign, das toll und originell aussieht, kann zwar die Neugierde wecken. Doch wenn der Betrachter ewig grübeln muss, bis er die Idee dahinter erkennen und einordnen kann, wird er sich tendenziell eher gegen das Produkt entscheiden.

  1. Geschlossenheit

Die menschliche Wahrnehmung neigt dazu, nach Zusammenhängen zu suchen. Die Folge davon ist, dass selbst Formen, die offen oder durchbrochen sind, als geschlossen interpretiert werden.

Durch die Erfahrung werden gedanklich einzelne Elemente zusammengesetzt und miteinander verbunden. Dieser kleine Trick lässt eine Geschlossenheit entstehen, die das Gehirn besser einordnen kann.

Stehen beispielsweise zwei Bögen nebeneinander, verbindet der Betrachter diese beiden Bögen in Gedanken zu einem Kreis miteinander, weil er diese Form kennt und versteht.

  1. Gemeinsame Richtung

Elemente, die entlang einer Achse angeordnet sind und die gleiche Richtung haben, wertet der Betrachter eher als eine Einheit. Gleichzeitig neigt er dazu, nach dem einfachsten Weg zu suchen. Linien, die plötzlich die Richtung wechseln, oder Objekte, die aus dem Rahmen fallen, verwirren.

Ein anschauliches Beispiel sind Textzeilen. Die Wörter sind auf einer gedachten Linie angeordnet. Diese Linie verläuft immer in die gleiche Richtung und wiederholt sich stetig.

Dadurch bilden die einzelnen Wörter eine Einheit und der Text wird lesbar. Wären die Wörter beliebig auf der ganzen Seite verteilt, wäre der Zusammenhang kaum erkennbar.

Erfahrung und Kultur als weitere Faktoren

Neben den Gestaltungsregeln wird die Wahrnehmung auch vom kulturellen Hintergrund beeinflusst. So ist zum Beispiel die Leserichtung in der westlichen Welt von links nach rechts. Der Betrachter legt diese Gewohnheit zugrunde, wenn er sich ein Produkt anschaut, eine Funktion prüft oder einen Schiebeschalter betätigt.

Dazu kommt die Erfahrung. Mit seinem bisherigen Wissen als Basis schaut sich ein Erwachsener einen Gegenstand anders an als ein Kind. Produktdesigner und Marketingleute streben zwar nach kreativen Innovationen.

Und dagegen ist nichts einzuwenden. Allerdings sollten sie bewährte Formen nicht komplett über den Haufen werfen. Denn je einfacher und schneller ein potenzieller Kunde ein Produkt erfassen kann, desto eher wird es ihn ansprechen.

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Verlagsinhaber Christian Gülcan (Artdefects Media Verlag), Marketing Experte in Onlinemarketing, SEO, SEA, Social Media, Printmedien und Vermarktung von Unternehmen seit 2006. Kooperationspartner zu Werbeagenturen, Medienagenturen und Marketing-Profis. Verleger von Fachpresse in Print und Online verschiedener Branchen und Themengebiete.

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